FAQs zur geplanten Reform der GEMA-Kulturförderung

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FAQs zur geplanten Reform der GEMA-Kulturförderung

Worum geht es bei der GEMA-Reform?

Die GEMA plant eine grundlegende Reform der Kulturförderung und der Verteilungsmechanismen, insbesondere im Bereich der zeitgenössischen Musik (E-Musik / Contemporary Classic Live = CCL). Ziel ist laut GEMA eine breitere, zeitgemäße Förderung. Die Reform soll ab 2027 schrittweise wirksam werden.

Wird die Kulturförderung gekürzt?

Nach Angaben der GEMA wird das Gesamtvolumen der Kulturförderung nicht gekürzt. Entscheidend ist jedoch nicht allein das Gesamtvolumen, sondern wie dieses künftig verteilt wird. Unsere Analysen zeigen, dass die neuen Mechanismen für viele Urheber:innen zu erheblichen individuellen Einnahmeverlusten führen können.

Wer ist besonders betroffen?

Besonders betroffen sind:

  • kontinuierlich arbeitende Komponist:innen mit mittlerer oder niedriger Aufführungsdichte,

  • viele Studierende,

  • zahlreiche Berufsanfänger:innen, die nicht außergewöhnlich hohe Aufführungszahlen erreichen.

Nur wenige Konstellationen mit sehr hoher Aufführungsfrequenz profitieren deutlich.

Warum reicht das neue Fördersystem für viele nicht aus?

Die Reform orientiert sich stärker an Aufführungsfrequenz, Punktwerten, Spielstätten und Sonderförderungen. Dadurch entstehen faktische Mindestschwellen, die für viele künstlerisch relevante Werke und Arbeitsweisen kaum erreichbar sind. Förderung droht damit marktnäher zu werden, statt ausgleichend zu wirken.

Was bedeutet die Reform für Contemporary Classic Live (CCL)?

CCL-Aufkommen fließt künftig nicht mehr voll in die allgemeine Förderung ein, sondern entfaltet seine Wirkung überwiegend über spezielle Fördermodule. Diese sind stärker von Parametern, Deckelungen und Entscheidungen abhängig und daher weniger verlässlich als eine reguläre Beteiligung an einer allgemeinen Wertung. Langfristig kann dies zu einer strukturellen Schwächung führen.

War die bisherige stärkere Förderung der E-Musik ein „Überprivileg“?

Nein. Die stärkere Förderung der zeitgenössischen Kunstmusik beruhte auf einer kulturpolitischen Abwägung. Ihr gesellschaftlicher Wert, ihr hoher Produktionsaufwand und ihre strukturell begrenzte Marktfähigkeit lassen sich über reines Inkasso nicht angemessen abbilden. Die Förderung diente als Ausgleich für diese strukturellen Bedingungen, nicht als Sonderbevorzugung.

Wird der Nachwuchs durch die Reform besser gefördert?

Die Reform verspricht eine stärkere Nachwuchsförderung. In der Praxis zeigen Berechnungen jedoch, dass Studierende häufig verlieren und Berufsanfänger:innen nur dann profitieren, wenn sie außergewöhnlich hohe Leistungsparameter erreichen. Nachwuchsförderung wird damit nicht als verlässliche Basis, sondern selektiv ausgestaltet.

Welche Rolle spielen Transparenz und Mitbestimmung?

Bislang liegen der Mitgliedschaft keine vollständigen, nachvollziehbaren Modellrechnungen zur Reform vor, obwohl solche existieren sollen. Zudem sind zentrale Förderparameter nicht dauerhaft in der Geschäftsordnung verankert, sondern politisch veränderbar. Das erschwert Planbarkeit, demokratische Kontrolle und rechtliche Nachprüfbarkeit.

Was bedeutet die Reform für die ordentliche Mitgliedschaft?

Durch die stärkere Kopplung von Förderung und Verteilung an hohe Aufführungszahlen wird es für viele Urheber:innen deutlich schwieriger, die Voraussetzungen für die ordentliche Mitgliedschaft zu erreichen. Gerade im Bereich der zeitgenössischen Musik mit nicht-linearen Karrieren droht sich der Zugang weiter zu verengen.

Lehnt ihr Reformen grundsätzlich ab?

Nein. Auch wir sehen Reformbedarf und erkennen an, dass sich Rahmenbedingungen verändert haben. Unsere Kritik richtet sich nicht gegen Reformen an sich, sondern gegen eine Ausgestaltung, die solidarische, kulturpolitisch begründete Förderung durch eine stark selektive, parametergetriebene Logik ersetzt.

Was fordert ihr konkret?

Wir setzen uns ein für:

  • transparente und nachvollziehbare Entscheidungsgrundlagen,

  • verlässliche und demokratisch legitimierte Fördermechanismen,

  • eine Kulturförderung, die Vielfalt professioneller künstlerischer Praxis strukturell absichert,

  • einen realistischen Zugang zur ordentlichen Mitgliedschaft für kommende Generationen von Urheber:innen.

Wie geht es weiter?

Die Mitgliederversammlung 2026 wird über die Umsetzung der Reform entscheiden. Unabhängig vom Abstimmungsergebnis halten wir eine kritische Begleitung und transparente Dokumentation der Auswirkungen für notwendig.

Hier als PDF: Link