{"id":189,"date":"2026-07-12T06:48:31","date_gmt":"2026-07-12T06:48:31","guid":{"rendered":"https:\/\/femusik.de\/?p=189"},"modified":"2026-07-12T06:48:31","modified_gmt":"2026-07-12T06:48:31","slug":"nachruf-auf-lothar-voigtlaender","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/femusik.de\/index.php\/2026\/07\/12\/nachruf-auf-lothar-voigtlaender\/","title":{"rendered":"Nachruf auf Lothar Voigtl\u00e4nder"},"content":{"rendered":"<p>Lothar Voigtl\u00e4nder starb am 4. Juli 2026 nach langer Krankheit in Berlin. Lothar Voigtl\u00e4nder war stets ein engagierter und streitbarer Protagonist der Neuen Musik in Deutschland. Sein Einsatz f\u00fcr die Kollegenschaft ist hoch zu sch\u00e4tzen. Wir werden ihn als streitbaren Kollegen f\u00fcr unsere Interessen in Erinnerung behalten. Er engagierte sich intensiv f\u00fcr das Musikleben und pr\u00e4gte den Deutschen Komponist:innenverband mehrere Jahrzehnte nachhaltig. So war er f\u00fchrend bei der \u00dcberleitung des Verbandes Deutscher Komponisten und Musikwissenschaftler der DDR in den Verband Deutscher Komponisten und \u00fcberhaupt ein Verfechter der Vereinigung der verschiedenen Verb\u00e4nde in Ost und West.<\/p>\n<p>Von 1990 bis 1996 stand er dem Berliner Komponistenverband als Vorsitzender vor und pr\u00e4gte auch die n\u00f6tigen neuen F\u00f6rderstrukturen in Berlin. So war er Mitbegr\u00fcnder und Mitglied im ersten Vorstand der Initiative Neue Musik Berlin, die nach der Wende erstmals f\u00fcr die gesamt-berliner freie Szene gegen\u00fcber dem Senat einen F\u00f6rderbedarf anmeldete.<\/p>\n<p>Von 2006 bis 2016 war er Mitglied des Aufsichtsrats der GEMA, von 2007 bis 2012 Vizepr\u00e4sident und von 2012 bis 2013 Pr\u00e4sident des Deutschen Komponistenverbandes. Besonders wichtig war f\u00fcr ihn hier die Sch\u00e4rfung der verschiedenen Profile innerhalb eines Verbandes aller Genres und Sparten und wirkte hin zur Gr\u00fcndung der Fachgruppen. So war es nur logisch, dass er als Initiator und Gr\u00fcnder der erste Vorsitzende der FEM &#8211; Fachgruppe ernste Musik des Komponistenverbandes wurde. Nicht vergessen werden darf ebenso sein langj\u00e4hriges, beharrliches Wirken f\u00fcr nachhaltige F\u00f6rderstrukturen, sein geschicktes Agieren gegen\u00fcber der Politik, was wesentlicher Ansto\u00df f\u00fcr den sp\u00e4ter entstandenen Musikfonds war.<\/p>\n<p>Dass Lothar Voigtl\u00e4nder aber vor allem ein hervorragender und erfolgreicher Komponist war, der sein Handwerk verstand, sollte \u00fcber sein kulturpolitisches Engagement nicht vergessen werden. 2015 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen, 2016 folgte die Ehrennadel der GEMA \u2013 W\u00fcrdigungen seines langj\u00e4hrigen Wirkens als Komponist, Dirigent, Hochschullehrer und F\u00f6rderer der zeitgen\u00f6ssischen Musik.<\/p>\n<p>Lothar Voigtl\u00e4nder wurde am 03.09.1943 im mittels\u00e4chsischen Leisnig geboren. Er erhielt seine erste musikalische Pr\u00e4gung als S\u00e4ngerknabe des Dresdner Kreuzchores unter Rudolf Mauersberger und unternahm dort erste kompositorische und dirigentische Versuche. Ab 1962 studierte er an der Hochschule f\u00fcr Musik Leipzig Dirigieren bei Rolf Reuter und Komposition bei Fritz Gei\u00dfler. 1968 startete er sein Berufsleben als Chordirektor und Kapellmeister am Theater der Altmark in Stendal. Kompositionen dieser Zeit f\u00fchrten ihn von 1970 bis 1972 in die Meisterklasse f\u00fcr Komposition an der Akademie der K\u00fcnste Berlin bei G\u00fcnter Kochan. Seit 1973 lebte er als freischaffender Komponist in Berlin. Bereits in dieser Zeit entstanden Orchestermusiken, Orchesterlieder, Kantaten, Kammermusik, ein Oratorium sowie H\u00f6rspielmusiken.<\/p>\n<p>Seit 1973 initiierte und pr\u00e4gte er zahlreiche Berliner Konzert- und Kammermusikreihen, darunter die \u201eLange Nacht der elektronischen Kl\u00e4nge\u201c, \u201eTime-Code\u201c und \u201eZeit-Kl\u00e4nge\u201c und wirkte sieben Jahre in der Kompositionsklasse der \u201eGeraer Ferienkurse\u201c. Ab 1975 widmete er sich intensiv der elektroakustischen Musik, studierte in Bratislava und Budapest und arbeitete in renommierten internationalen Studios und auf Festivals in Bourges, Z\u00fcrich, Basel, Hilversum, Freiburg und Berlin. Lothar Voigtl\u00e4nder war neben Georg Katzer der wichtigste Vertreter in der elektroakustischen Musikszene in der DDR. Sie gr\u00fcndeten 1984 die DDR-Sektion der CIME, einer Internationalen Konf\u00f6rderation f\u00fcr Elektroakustische Musik mit Sitz in Bourges\/Frankreich. Sp\u00e4ter wirkte Voigtl\u00e4nder auch im gesamtdeutschen Vorstand der DecimE, aus der dann die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Elektroakustische Musik (DEGEM) hervorging. Nach der Wende erhielt er 1992 eine Gastprofessur an der Universit\u00e4t Paris VIII. Dort erlebte sein Kammeroratorium \u201eLe temps en cause\u201c nach Texten von Eug\u00e8ne Guillevic seine Urauff\u00fchrung.<\/p>\n<p>2001 erhielt er einen Ruf als Professor f\u00fcr Komposition und Leiter einer Meisterklasse an die Hochschule f\u00fcr Musik Dresden, wo er von 2002 bis 2003 au\u00dferdem das elektronische Studio der Hochschule leitete. 2002 wurde seine Kammeroper \u201eVISAGES\u201c nach Texten von Eug\u00e8ne Guillevic im Schlosstheater Rheinsberg uraufgef\u00fchrt. Zu seinen bedeutendsten Werken der sp\u00e4ten Jahre z\u00e4hlen das Oratorium \u201eMenschenZeit\u201c (2007), \u201esi vis pacem\u201c f\u00fcr Mezzosopran und Orchester (2010), das als Auftragswerk der Opernfestspiele Bad Hersfeld entstand. 2023 erlebte seine 2. Sinfonie aus den 90er Jahren, \u201eHarfensinfonie\u201c genannt, ihre Urauff\u00fchrung im Rahmen der Dresdner Tage der zeitgen\u00f6ssischen Musik mit dem Orchester der Elbland Philharmonie Sachsen unter Leitung von Ekkehard Klemm und mit Alma Klemm als Solistin.<\/p>\n<p>Wir werden ihm ein ehrendes Gedenken bewahren.<\/p>\n<p>Johannes K. Hildebrandt<\/p>\n<figure id=\"attachment_190\" aria-describedby=\"caption-attachment-190\" style=\"width: 223px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-190\" src=\"https:\/\/femusik.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/LV_portrait_02_web_rgb_72dpi-223x300.jpg\" alt=\"\" width=\"223\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/femusik.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/LV_portrait_02_web_rgb_72dpi-223x300.jpg 223w, https:\/\/femusik.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/LV_portrait_02_web_rgb_72dpi.jpg 762w\" sizes=\"auto, (max-width: 223px) 100vw, 223px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-190\" class=\"wp-caption-text\">Lothar Voigtl\u00e4nder<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lothar Voigtl\u00e4nder starb am 4. Juli 2026 nach langer Krankheit in Berlin. Lothar Voigtl\u00e4nder war stets ein engagierter und streitbarer Protagonist der Neuen Musik in Deutschland. 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