Nachruf auf Lothar Voigtländer

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Lothar Voigtländer starb am 4. Juli 2026 nach langer Krankheit in Berlin. Lothar Voigtländer war stets ein engagierter und streitbarer Protagonist der Neuen Musik in Deutschland. Sein Einsatz für die Kollegenschaft ist hoch zu schätzen. Wir werden ihn als streitbaren Kollegen für unsere Interessen in Erinnerung behalten. Er engagierte sich intensiv für das Musikleben und prägte den Deutschen Komponist:innenverband mehrere Jahrzehnte nachhaltig. So war er führend bei der Überleitung des Verbandes Deutscher Komponisten und Musikwissenschaftler der DDR in den Verband Deutscher Komponisten und überhaupt ein Verfechter der Vereinigung der verschiedenen Verbände in Ost und West.

Von 1990 bis 1996 stand er dem Berliner Komponistenverband als Vorsitzender vor und prägte auch die nötigen neuen Förderstrukturen in Berlin. So war er Mitbegründer und Mitglied im ersten Vorstand der Initiative Neue Musik Berlin, die nach der Wende erstmals für die gesamt-berliner freie Szene gegenüber dem Senat einen Förderbedarf anmeldete.

Von 2006 bis 2016 war er Mitglied des Aufsichtsrats der GEMA, von 2007 bis 2012 Vizepräsident und von 2012 bis 2013 Präsident des Deutschen Komponistenverbandes. Besonders wichtig war für ihn hier die Schärfung der verschiedenen Profile innerhalb eines Verbandes aller Genres und Sparten und wirkte hin zur Gründung der Fachgruppen. So war es nur logisch, dass er als Initiator und Gründer der erste Vorsitzende der FEM – Fachgruppe ernste Musik des Komponistenverbandes wurde. Nicht vergessen werden darf ebenso sein langjähriges, beharrliches Wirken für nachhaltige Förderstrukturen, sein geschicktes Agieren gegenüber der Politik, was wesentlicher Anstoß für den später entstandenen Musikfonds war.

Dass Lothar Voigtländer aber vor allem ein hervorragender und erfolgreicher Komponist war, der sein Handwerk verstand, sollte über sein kulturpolitisches Engagement nicht vergessen werden. 2015 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen, 2016 folgte die Ehrennadel der GEMA – Würdigungen seines langjährigen Wirkens als Komponist, Dirigent, Hochschullehrer und Förderer der zeitgenössischen Musik.

Lothar Voigtländer wurde am 03.09.1943 im mittelsächsischen Leisnig geboren. Er erhielt seine erste musikalische Prägung als Sängerknabe des Dresdner Kreuzchores unter Rudolf Mauersberger und unternahm dort erste kompositorische und dirigentische Versuche. Ab 1962 studierte er an der Hochschule für Musik Leipzig Dirigieren bei Rolf Reuter und Komposition bei Fritz Geißler. 1968 startete er sein Berufsleben als Chordirektor und Kapellmeister am Theater der Altmark in Stendal. Kompositionen dieser Zeit führten ihn von 1970 bis 1972 in die Meisterklasse für Komposition an der Akademie der Künste Berlin bei Günter Kochan. Seit 1973 lebte er als freischaffender Komponist in Berlin. Bereits in dieser Zeit entstanden Orchestermusiken, Orchesterlieder, Kantaten, Kammermusik, ein Oratorium sowie Hörspielmusiken.

Seit 1973 initiierte und prägte er zahlreiche Berliner Konzert- und Kammermusikreihen, darunter die „Lange Nacht der elektronischen Klänge“, „Time-Code“ und „Zeit-Klänge“ und wirkte sieben Jahre in der Kompositionsklasse der „Geraer Ferienkurse“. Ab 1975 widmete er sich intensiv der elektroakustischen Musik, studierte in Bratislava und Budapest und arbeitete in renommierten internationalen Studios und auf Festivals in Bourges, Zürich, Basel, Hilversum, Freiburg und Berlin. Lothar Voigtländer war neben Georg Katzer der wichtigste Vertreter in der elektroakustischen Musikszene in der DDR. Sie gründeten 1984 die DDR-Sektion der CIME, einer Internationalen Konförderation für Elektroakustische Musik mit Sitz in Bourges/Frankreich. Später wirkte Voigtländer auch im gesamtdeutschen Vorstand der DecimE, aus der dann die Deutsche Gesellschaft für Elektroakustische Musik (DEGEM) hervorging. Nach der Wende erhielt er 1992 eine Gastprofessur an der Universität Paris VIII. Dort erlebte sein Kammeroratorium „Le temps en cause“ nach Texten von Eugène Guillevic seine Uraufführung.

2001 erhielt er einen Ruf als Professor für Komposition und Leiter einer Meisterklasse an die Hochschule für Musik Dresden, wo er von 2002 bis 2003 außerdem das elektronische Studio der Hochschule leitete. 2002 wurde seine Kammeroper „VISAGES“ nach Texten von Eugène Guillevic im Schlosstheater Rheinsberg uraufgeführt. Zu seinen bedeutendsten Werken der späten Jahre zählen das Oratorium „MenschenZeit“ (2007), „si vis pacem“ für Mezzosopran und Orchester (2010), das als Auftragswerk der Opernfestspiele Bad Hersfeld entstand. 2023 erlebte seine 2. Sinfonie aus den 90er Jahren, „Harfensinfonie“ genannt, ihre Uraufführung im Rahmen der Dresdner Tage der zeitgenössischen Musik mit dem Orchester der Elbland Philharmonie Sachsen unter Leitung von Ekkehard Klemm und mit Alma Klemm als Solistin.

Wir werden ihm ein ehrendes Gedenken bewahren.

Johannes K. Hildebrandt

Lothar Voigtländer